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[ Aktuell ]

Im Orient Express durch Europa - Bericht von der letzten Aufführung unseres musikalisch-literarischen Reisekrimis im Bremer Weser-Kurier
"Rainer Iwersen und Mellow Melange begeistern das Publikum mit einem literischen Konzert im Kito
"Ein Geräuschgewitter donnerte durch das Gebälk im Kito, es schnaubte, keuchte und zischte. Eine gehörte Dampflokomotive setzte sich geräuschvoll in Bewegung. Der Zug startete im belgischen Ostende, um dann durch Europa, über den Balkan zum Bosporus zu dampfen – der legendäre Orientexpress. Es war eine mondäne Art des Reisens in einem auf die Schienen gestellten Luxus-Hotel, ein rollendes Exklusiv-Erlebnis für Reiche, Adlige und Snobs. Auf der Fahrt wechselten Landschaften und Kulturen und bildeten ein farbiges Kaleidoskop, dessen Formen sich ständig verändernd an den Coupe-Fenstern vorbeizogen.

Rainer Iwersen, Gründungsmitglied der Bremer Shakespeare Company, gibt den Figuren im Orient-Express mit seiner Stimme Gestalt. (Christian Kosak)
In seinem Reise-Krimi „Orient-Express“ hat der britische Autor Graham Greene im Jahre 1931 den morbiden Charme dieses Eisenbahnvergnügens beschrieben. In seinem Roman konstruiert er eine Handlung, in der das Schicksal von sechs Menschen miteinander verwoben wird, darunter ein naives Revue-Girl mit „herausfordernder Niedergeschlagenheit“, ein gewiefter jüdischer Geschäftsmann, ein sozialistischer Agitator und fanatischer Revolutionär aus Serbien und eine versoffene Skandal-Reporterin „mit sicherem Jagdinstinkt“. Wollust und Gier, kühle Berechnung und boshafte Intrige, schurkische Fantasien und kaltblütiger Mord sind die Zutaten für die sprachlich ausgefeilte Erzählung.

Die fünf Bremer Multi-Instrumentalisten von „Mellow Melange“ haben den Krimi als Grundlage genutzt und damit eine unterhaltsame Reiseerzählung auf die Bühne gebracht. Herausgekommen ist eine vielschichtige Darstellung von Text und Musik, in der wechselnde Klangbilder die atmosphärisch dichte Erzählung wirkungsvoll unterstützen. Ingo Horicht hat eine wohlüberlegte Programm-Musik komponiert, mit der er Schauplätze und Szenen, Figuren und Gemütsregungen charakterisiert. Da wechseln bluesige Jazzphrasen mit Klezmer-Klängen, Balkanfolklore mit orientalischen Leierelementen, klassische Kammermusik mit Wiener Walzer-Takten.

Beim Lesen des Romans habe sich ihm sofort „eine musikalische Welt“ aufgetan, erzählt der Komponist. „Ich hörte sofort Musik.“ Auf jeden Fall ist bei dieser akustischen Zugfahrt die Literatur mit der Musik eine fruchtbare Symbiose eingegangen.

Am Donnerstag holten Mellow Melange und Rainer Iwersen das am 8. Mai ausgefallene literarische Konzert „Orient-Express“ im Kito nach. Es war die letzte musikalische Zugreise in dieser Form. Der Orient-Express ist an seiner Endstation, dem Sackbahnhof von Istanbul, angekommen.

Auf der Bühne saß neben einem weit gereisten verschlissenen Koffer-Ungetüm der Sprecher Rainer Iwersen, Gründungsmitglied der Bremer Shakespeare Company. Er präsentierte den Text stimmlich und gestisch als Ein-Mann-Theater. Daneben das Instrumental-Quintett, das im Verlauf des Abends fortwährend seine Instrumente wechselte und den verbalen Vortrag mal schwermütig, mal heiter beschwingt, immer aber virtuos begleitete. Neben Bandleader und Geiger Ingo Höricht spielten und sangen die Violinistin Sonja Firker, der Pianist Michael Berger, Matthias Schinkopf (Holzblasinstrumente und Percussion) sowie David Jehn am Kontrabass.

Die Musik begleitete den Express stimmungsvoll über den schier endlosen Schienenstrang, über Weichen und Kreuzungen. Sie untermalte den Wortvortrag und gewährte ihm an wichtigen Punkten den Vorrang. Iwersen ist ein erfahrener Stimmkünstler mit ausdrucksstarker Modulationsfähigkeit. Er verfügt über einen wohltönenden Bass. Seine sprachliche Gestaltungskraft lässt die Handlungsfiguren plastisch vor dem geistigen Auge entstehen. Er zeichnet ihre Konturen scharf und unverwechselbar durch wechselnde Dynamik und stimmliche Variationen. Zugleich stattete er die Szenen erzählerisch bildhaft aus.

Derweil erschufen die Musiker nuancenreiche Klangbilder, mit denen sie Gefühle und lokale Eindrücke, Landschaften und Erlebnisse hörbar machten. Das ausdrucksvoll gesprochene Wort und der farbenreiche Klang der Musik verbanden sich zu einem dichten Hörerlebnis. Das Publikum im Kito ließ sich fesseln von den dramatischen Schilderungen im Orient-Express auf seiner dreitägigen Fahrt durch Europa. Begeisterter Beifall dankte am Ende Sprecher und Musikern." (Peter Otto) 


 
 
Letzte Aktualisierung:
Dezember 2016

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